Weiche Gesteinarten für den Bildhauer

Einführung

Dies ist Teil 6 der Serie “selbständiges Bildhauern”. Für einen Übersicht siehe:“Über Selbständiges Bildhauern
Vorheriger Beitrag: Werkzeug für weichen Stein.

Gesteine bestehen aus einer Mischung von Mineralien. Ein Gestein besteht fast nie aus einem einzigen Mineral. Granit beispielsweise besteht meist aus den Hauptbestandteilen Quarz, Feldspat und Glimmer. Darüber hinaus können im Granit viele verschiedene Mineralien enthalten sein. Es gibt viele verschiedene Arten von Granit, jede mit ihren eigenen spezifischen Eigenschaften.

Marmor hingegen besteht zu fast 100 % aus dem Mineral Calcit. Aber es gibt Tausende von Marmorbrüchen, jeder mit ihren eigenen Arten. Denn oft kommen aus einem Steinbruch unterschiedliche Handelssteine mit jeweils eigenen Eigenschaften.
Schlimmer noch, einige Gesteine haben eine deutliche Veränderung ihrer Eigenschaften, nachdem sie aus dem Steinbruch kommen. Sie härten danach aus. Dies gilt insbesondere für Kalksteine und Marmor.

Das Ergebnis ist, dass die Bearbeitbarkeit einer bestimmten Steinart ziemlich unterschiedlich sein kann.

Um alles noch undurchsichtiger zu machen, werden im Handel oft statt der korrekten petrologischen Bezeichnung die der Allgemeinheit bekannten Bezeichnungen für Gesteinsarten verwendet. Zum Beispiel sind viele Steine, die als „Marmor“ bezeichnet werden, kein Marmor, sondern ähneln ihm.

Nachfolgend findest du eine Übersicht über die heute gebräuchlichen Bildhauer-Gesteine.

Zunächst behandle ich nur die sehr weichen und weichen Steinsorten. Sobald ich die Arbeitsweise für härtere Gesteine erklärt habe, ergänze ich diese Übersicht.

Speckstein

Speckstein besteht zu fast 100 % aus dem Mineral Talkum. Talk und Talkumpuder werden häufig in Babypuder, Kosmetika und Arzneimitteln (als Füllstoff für Pillen) verwendet.
Speckstein ist ein Umwandlungsgestein (er entsteht durch chemische Umwandlung eines Basisgesteins). Die unterschiedlichen Farben des Steins werden durch geringe Mengen anderer Mineralien, meist Metalloxide, verursacht. Grün kommt aufgrund des Vorhandenseins von (zweiwertigem) Eisen viel vor.

Bis vor etwa 10 Jahren gab es viele qualitativ hochwertige Lieferungen aus Brasilien, China, Indien und Pakistan. Heutzutage werden oft nur temporär bestimmte Sorten angeboten. Die Sorten und Qualitäten sind daher sehr unterschiedlich.
Alle als Bildhauerstein angebotenen Specksteinarten können mit billigen Raspeln, Bildhauerraspeln und Holzbeiteln bearbeitet werden. Siehe meinen Artikel über Werkzeuge.

Es gibt große Unterschiede in der Qualität von Speckstein. Niedrigere Qualität enthalten oft Einschlüsse von härteren Mineralien. Manchmal sind sie steinhart. Das sieht man nicht sofort, merkt es aber beim Bearbeiten. Dann gibt es plötzlich einen Biss aus deinem Meißel.

Bekannte Sorten sind:

  • Brasilien: Weiche bis sehr weiche „braune“, „grüne“ und weiße Sorten. Die braune Sorte ist manchmal so weich, dass Polieren nicht möglich ist. Farben von dunkelbraun bis hellbraun mit manchmal etwas hellgrün bis dunkelgrün.
    Weißer Speckstein wird auch aus Brasilien importiert (sehr weich). Die berühmte Christusstatue über Rio de Janeiro ist komplett mit diesem weißen Speckstein verkleidet. (Siehe obenstehendes Bild aus Wikimedia commons).
  • China rosa: Schönes Weiß bis Rosa. Das Angebot ist heutzutage oft von geringerer Qualität. D.h. etwas splitteriger und weniger schön rosa als vorher. Gute Qualität ist homogen, weich und sehr gut zu verarbeiten.
  • China schwarz-weiß: Ist etwas geschichtet (daher etwas mehr Bruchgefahr). Gute Qualität ist wirklich weiß mit schwarz, nicht grau. Und sehr gut zu bearbeiten, aber etwas härter als brasilianischer Speckstein.
  • Indien gelbgrün: (kommt auch mal aus Pakistan). Weich, einfach zu verarbeiten. Kann ein sehr schönes Muster aus Gelb, Braun und Grün haben
  • Indien hellgrün: Sehr variabel. Es gibt rein grüne Sorten, manchmal so gut wie durchsichtig. Meist mit schuppenartiger Struktur, was das Arbeiten mit sehr scharfen Werkzeugen erfordert.

Wenn du Speckstein kaufst, ist es oft schwierig zu erkennen, wie der bearbeitete Stein aussehen könnte. Unten sind einige Beispiele für rohen Stein (oben) und wie der bearbeitete Stein aussehen kann (unten).

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Speckstein roh und bearbeitet. Von links nach rechts: Brasilien grün, Indien hellgrün, Indien gelb-grün und China schwarz-weiß

Serpentin

Dunkelgrüner Afrika-Serpentin. Der braune (Rost-)Schicht ist hier sehr dünn. Dieser Serpentin ist ziemlich hart.

Serpentinen entstehen durch Serpentinisierung von Mantelgesteinen. Das ist ein Umwandlungsprozess. (Metamorphose). Da es eine große Anzahl von Ursprungsgesteinen gibt, die serpentinisieren können, gibt es auch viele Arten von Serpentin. Viele Serpentin Sorten sind relativ weich und dennoch witterungsbeständig. Das macht ihn zum idealen Bildhauerstein für Hobbybildhauer.
Serpentinarten kommen auf der ganzen Welt vor, werden aber heute hauptsächlich in Afrika (insbesondere Simbabwe), Indien, Pakistan und China abgebaut.
Viele Serpentin Sorten haben außen einen weichen braunen Belag. Das ist Eisenoxid, das bei der Serpentinisierung ausgeschwitzt wurde.

Die weicheren Sorten lassen sich zwar noch mit billigen Raspeln und Holzbeiteln bearbeiten, das geht aber deutlich langsamer als z.B. bei Speckstein. Oft ist es besser, mit Schmiedestahl Werkzeugen zu arbeiten.

Nachfolgend die bekanntesten weicheren Sorten.

  • Opal: Afrika. Grün mit Braun (außen). Die braune Schicht ist viel weicher als die grüne.
  • Raindrop: Afrika. Mit gelber und blaugrüner Musterung. Sehr gut bearbeitbar.
  • Indien-Serpentin: Indien oder Pakistan. Ein sehr feinkörniger dunkelgrüner Stein. Durch vollständiges Polieren und heiß Wachsen wird der Stein wirklich schwarz. Ein idealer Stein für sehr feine Details. Der Stein ist etwas zäh.

Beispiele für bearbeitete Serpentin Sorten (die Steine sind sehr unterschiedlich groß):

Von links nach rechts: Opal-,Raindrop-,Indien Serpentin und der unbearbeitete Indien Serpentin (weil fast keiner glaubt dass der Stein wirklich schwarz wird)

Alabaster

Alabaster ist ein sehr begehrter Bildhauerstein. Nachteil: Alabaster ist etwas wasserlöslich und daher nicht für die Aufstellung im Außenbereich geeignet.

Alabaster ist eine feinkristalline Variante von Gips (Calciumsulfat-Dihydrat).
Es gibt eine zweite Kristallform von Gips: Selenit.

Alabaster wird traditionell in Portugal abgebaut. Es wird in alten Tonlagerstätten gefunden, wo der Gips in Form von Knollen kristallisiert ist. Die Knollen können bis zu mehreren Metern groß werden, haben aber meist einen Durchmesser zwischen 20 cm und 1 Meter. Daraus werden oft Scheiben von 5, 10, 20 cm oder noch dicker gesägt. Knollen werden auch ungesägt angeboten. Damit kann man sich überraschen, wenn man einfach dem Stein folgt und sieht, was dabei herauskommt.

Die Knolle brauner Alabaster und was daraus geworden ist (ohne Plan).

Nur die weiße Sorte Alabaster ist weich genug, um mit einfachen Raspeln und Holzbeiteln zu arbeiten. Allerdings funktioniert dies deutlich langsamer als z.B. bei Speckstein. Es geht nicht so viel Gestein auf einmal ab.
Die anderen Alabaster-Varianten folgen nach den Beiträgen über die Bearbeitung von härterem Stein.

  • Weiß. Weiß ist die weichste Sorte. Nach Speckstein ein beliebter Stein für die Bildhauerei. Die weiße Variante kann sogar mehr oder weniger transparent sein. Typisch für Alabaster sind die undurchsichtigen „Wolken“ in einem ansonsten transparenteren Stein. Das gibt sehr schöne Muster. Der Grad der Transparenz ist sehr variabel.
    Sei vorsichtig bei der Wahl des Motivs: Da dieser Alabaster ziemlich transparent ist, wirft er wenig Schatten. Dadurch verschwinden feine Details oft komplett vor dem Hintergrund. Die besten Ergebnisse erzielt man oft durch den bewussten Einsatz von Transparenz. Lasse dünne Stücke im Stein. Da kommt das Licht durch.

Alabaster ist eine ziemlich zähe Steinart, daher splittert er wenig. Doch Vorsicht bei der Bearbeitung der Außenseite einer Knolle: Oft sind noch Toneinschlüsse vorhanden, an denen der Stein reißen kann.

Auch aufgepasst: Wie alle kristallinen Gesteine kann man auch diesen Stein „blau“ schlagen. Das heißt, wenn man hart auf den Stein schlägt, verwandelt sich der Transparenz in ein milchiges Weiß. Dieses Weiß kann schnell bis zu einem cm. tief in den Stein gehen.

Kalkstein

Kalksteine sind im Meer entstandene Gesteinsarten, die zum größten Teil aus Calciumcarbonat in Form der Mineralien Calcit und/oder Aragonit bestehen.

Es gibt noch zwei weitere Gesteinsgruppen, die größtenteils aus Kalk bestehen: Kalksinter und Marmor. Diese folgen später.

Viele Kalksteine bestehen aus den Resten der Kalksteinschalen von Schalentieren, Flohkrebsen etc., die zerfallen und sich schichtweise auf dem Meeresboden ablagern. Durch Ablagerung anderer im Meerwasser vorhandener Stoffe werden diese Körner miteinander zu einem Gestein verbunden. Wir nennen das Zementieren. Dieser Vorgang wird als Diagenese bezeichnet. Es gibt verschiedene Arten von Zement bei Kalkstein: Silica (aus Kieselsäure), Ton und auch Stoffe organischen Ursprungs.
Eine andere Form der Kalksteinbildung findet sich in den Korallenriffen. Dort bilden die Polypen nach und nach das Gestein.

Außerdem zeichnen sich Kalksteine durch ihre Korngröße und Form (eckig, abgerundet) aus.
Kalksteine reichen von sehr weich bis sehr hart.

Sehr weiche Kalksteine sind nur: Mergel

Härtere Kalksteine folgen…

  • Mergel. Der einzige niederländische Naturstein, der noch abgebaut wird. Sehr weich und eher grobkörnig. Kieselig gebunden. In den Kalksteinschichten, in denen sich Mergel bildet, lagert sich also auch Quarz ab. Als Zement des Steins in winzigen Mengen, aber auch als in den Fels eingebettete Feuersteine. Feuerstein ist jedoch selten in gutem Mergel zu finden.

    Mergel ist ein idealer Stein um Studien daraus zu machen. Wird Mergel freigelegt (damit er unten nicht nass bleibt) ist er absolut winterfest.

    Bearbeitbarkeit: Mergel ist sehr weich und lässt sich mit allem, sogar mit einem Küchenmesser, bearbeiten.
Mergel

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