Dies ist Teil 10 der Serie “selbständiges Bildhauern”. Für einen Übersicht siehe:“Über Selbständiges Bildhauern
Vorheriger Beitrag: „
Arbeiten nach Vorbild„.

In diesem Beitrag:

  • Zu schnell Formen festlegen.
  • Schieben mit Formen

Zu schnell Formen festlegen.

Nachfolgend ein Beispiel dafür, was öfters schief geht.
Auf den nachfolgenden Bildern sieht man, was unsere Hauswärterin während unseres Urlaubs gemacht hat. Sie skizzierte zuerst, was sie machen wollte. Daneben das Ergebnis (Replikat).

Vom Resultat war sie sehr enttäuscht.

Rekonstruktion

Ich habe Schritt für Schritt rekonstruiert, was hier wahrscheinlich passiert ist.

Verwende die Pfeiltasten -> und <- unterhalb des Fotos, um die Erstellung zu verfolgen

Was sehen wir?

  • Der Hals ist zu lang geworden
  • Die Arme sind sehr dünn geworden
  • Der Körper ist sehr breit, aber er kann nicht mehr verengt werden, weil dann die Arme nicht mehr am Körper befestigt wären.

Wie entsteht so was?

Gleich zu Beginn geht es schief mit folgenden Details:

  • die Unterseite des Kopfes im Verhältnis zur Körpergröße
  • Die Position der Arme in der Breite.

Am Anfang ist es schwierig einzuschätzen, wo welches Körperteil platziert werden soll.
Indem wir in dieser ersten Phase die Arme festlegen und tief einschneiden zwischen Körper und Armen, können wir die Arme nicht näher zur Mitte bewegen, wenn sich herausstellt, dass der Körper zu breit ist.

Etwas ähnliches ist am unteren Ende des Kopfes passiert.

Warum passiert das sehr viel öfter?

Wenn du mit einem Roh- oder Quaderstein beginnst, möchtest du schnell deine Figur im Stein erkennen können. Du möchtest schnell sehen wo was steckt. Daher erscheint es logisch z.B. Arme, Beine und Kopf direkt zu gestalten.
Meist stimmen in diesem Moment die Proportionen aber noch nicht (vollständig). Dann stellt sich heraus, dass Teile nicht genau an der richtigen Stelle gelandet sind.
Dann wäre es schön wenn man diese Teile noch verschieben könnte.

Das geht aber nicht, wenn man sich gleich wie oben festlegt: mit klaren Schnitten, wo alles ist.

Wir gucken mal, wie man doch verschieben kann.

Schieben

Ich zeige das durch das Problem mit den Armen im Vergleich zum zu breiten Körper.
Dabei beginne ich mit dem Schnitt für den linken Arm („für die Betrachter rechts“).

Für den rechten Arm (also den linken in den Bildern) mache ich jetzt etwas anderes: Ich mache nur eine Andeutung, wo er ist. Ich mache zwar die runde Form, lasse aber den Übergang zum Körper vage.

(Ich werde im Folgenden „links“ und „rechts“ verwenden, wie man es in den Bildern sieht).

Wenn ich das zeichne, habe ich im Durchschnitt so etwas:

Wenn ich dann feststelle, dass die Arme viel zu weit von der Mitte meines Oberkörpers entfernt sind (der Körper ist zu breit), ist die Situation links und rechts unterschiedlich:

Rechts habe ich ein Problem. Das liegt an 2 Dingen:

  • Ich habe mich optisch an der Stelle des Arms fixiert (es gibt eine klare Linie).
  • Ich habe einen tiefen Schnitt gemacht. Stein fehlt bis zu einer beträchtlichen Tiefe.

Links können wir immer noch gut verschieben, weil wir die Stelle vage gehalten haben, indem wir den Arm nur etwas tiefer legen. Rechts müssten wir den Arm viel tiefer legen, um ihn verschieben zu können.

Die Lage rechts

Unten zeige ich zunächst, was auf der rechten Seite passiert, wenn man den Arm zur Mitte bewegen will.

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Nachstehend wie man zur linken Seite schieben kann

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Und dann neben einander der Unterschied:

Links musste man viel weniger Stein entfernen als rechts.
Wenn deien Skulptur noch „zu dick“ war, kannst du links leichter verschieben als rechts.

Wie können wir sicherstellen, dass du deine Formen noch verschieben kannst?

  • Fange an, deine Figur „zu dick“ zu machen (dann ist alles noch da). Dann kannst du zunächst alle (Haupt-)Formen vage andeuten.
  • Lasse die Formen vage. Auf diese Weise fixierst du dich nicht visuell, wo diese sich befinden. Man sollte also keine Linien sehen.
  • Gehe zunächst nicht tiefer in den Stein als die Hälfte dessen, was du deiner Meinung nach letztendlich benötigen wirst.
  • Jetzt kannst du die Formen noch verschieben: Deine Skulptur ist noch zu dick, also kannst du etwas tiefer gehen und weil alles noch vage ist, muss man auch nicht viel tiefer gehen.

Der Elefant ist noch zu dick. Ich habe alle Formen noch vage gelassen und bin erst auf halbem Weg zur endgültigen Tiefe im Stein.

Grundform

Ich gehe noch einen Schritt zurück: ist es nicht nur wichtig, deine Formen vage zu halten. Aber: fang bei jeder Skulptur mit der Grundform an.

Was ist eine Grundform?

Beispiel: Die Grundform eines Kopfes ist eine Eiform.
Die Grundform eines Fisches ist fast eine Ellipse: vorne etwas spitzer, hinten etwas stumpfer.

Wenn du beginnst, aus deinemRohstein die Grundform zu machen, dann hast du schon viel Stein abgetragen und bist an vielen Stellen schon ganz nah an der „Haut“, dann kannst du auch die Lage von Teilen ziemlich genau bestimmen, so dass man später wenig verschieben braucht.

Nicht alle Skulpturen haben eine so einfache Grundform. Wir werden das sehen, wenn wir die Elefantenübung machen.

Die Essenz

Jetzt haben wir einige wesentliche Aspekte der Modellierung nach Vorlage behandelt:

  • Erstelle zuerst die Grundform.
  • Lasse diese zu groß / zu dick
  • Mache bei der Detaillierung zuerst nur Andeutungen der Formen.

Man sollte keine Linien sehen. Mit Linien legt man sich (psychologisch) fest und es ist schwieriger zu schieben.

Nachteil dieser Methode:

  • Da du zunächst nur vage Formen erstellst, ist es anfangs schwieriger deine Wunschform im Stein zu sehen. (wenn man mit Augen, Nase etc. anfängt sieht es schnell aus wie ein Gesicht).

Vorteile dieser Methode:

  • Hiermit kann man alles machen, ohne befürchten zu müssen, dass man zu viel wegnimmt (die Angst: „weg ist weg“).
  • Da du am Anfang immer nur vage Formen machst, lernst du, Volumen zu erkennen. Das ist für abtragende Techniken unerlässlich.
  • Gerade dadurch dass du alles vage hältst, lehrt es dich, dreidimensionale Volumen zu sehen und nicht in Linien zu arbeiten (denn Linien kommen erst ganz zum Schluss).
    Und das ist unabdingbar, um wirklich zu lernen, dreidimensional zu arbeiten.

Im nächsten Beitrag werde ich zeigen, wie man den Elefanten auf diese Weise herstellen kann. Erst die vagen Formen, dann ggf. verschieben, dann Details.

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