Formen: von klein bis groß

Dies ist Teil 3 der Serie: „Selbständiges Bildhauern“. Die Serie startet mit „Über Selbständiges Bildhauern
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In meinem Blog „Einführung Bildhauern“ habe ich über einfache abstrakte Formen gesprochen. Um klarer zu machen, was ich damit meine, informiere ich euch in diesem Blog. Zusätzlich kann ich auch zeigen, dass Größe an sich schon ein Schwierigkeitsgrad ist: Größer ist nicht nur mehr Arbeit, sondern auch deutlich schwieriger zu bewerkstelligen.

Der Handschmeichler.

Als eine der ersten Übungen mache ich gerne einen Handschmeichler.
Ein Handschmeichler ist ein kleiner Stein, der in deine Hand passt und sich angenehm anfühlt und womit du weiter spielen möchtest. Ideal sind runde Formen und etwas Abweichendes, das die Finger selbst be“greifen“ wollen.

(Du kannst diese Übung auch in einer Gruppe machen. Dann könnt Ihr euch gegenseitig eure Stein anfühlen: Augen schließen, in den Hand nehmen und fühlen. Und dann dem Macher sagen, was du vermisst oder spannend findest).

Über die Größe: von Handschmeichler bis zu überlebensgroß.

Betrachte deinen Handschmeichler. Das ist meist auch eine schöne abstrakte Form geworden. Ganz ohne vorher zu wissen, wie es werden sollte!
Nimmt man nun einen 3- bis 4-mal so großen Stein (ca. 25 cm), passiert oft folgendes: Der Kursteilnehmer beginnt, auf einer Seite des Steins Formen zu machen (Tiefen, Rillen, Wölbungen). Das sieht oft ganz gut aus. Dann muss auch auf der nächsten Seite des Steins etwas sein. Und so bis an allen Seiten was getan wurde.

Auf diese Weise entsteht eine Art „verzierter“ Stein. Die Grundform des Steins hat sich nicht wesentlich verändert, es wurde hauptsächlich an der Oberfläche gearbeitet. Dieser Stein sieht ganz anders aus als unser Handschmeichler, wenn wir ihn 3x so groß machen würden. Meist ist das Ergebnis etwas enttäuschend.

Der rohe Stein, der verzierte Stein und unser Handschmeichler (vergrößert wiedergegeben)

Was können wir davon lernen?

Wenn du eine kraftvolle oder schöne Form erstellen möchtest, muss du mit der Erstellung einer Grundform beginnen, die über den gesamten Stein verläuft (alle Seiten). Kleinere Details kommen später.
Dafür muss man auch anfangen, viel Stein zu entfernen (ich sage: „lasse die Hälfte hier“).
Außerdem muss man von Zeit zu Zeit seine Arbeit aus einige Entfernung beobachten. Meist ist man so nah an seiner Arbeit, dass man keinen Überblick hat. Nur aus der Ferne kann man sehen wie deine Kreation wirklich aussieht. Faustregel: Stehe in eine Entfernung von mindestens 10x der Größe des Steins (also hier 2½ Meter) und schaue dann. Betrachte deine Arbeit von allen Seiten.
Mit dem Handschmeichler ist das kein Problem, da hast du immer Überblick.

Schlussfolgerungen:

  • größer ist schwieriger.
  • Bei größeren Steinen neigen wir dazu, an der Oberfläche zu bleiben (auf dem Stein zu „zeichnen“). Es wird nicht wirklich dreidimensional.

Zusätzliche Probleme treten auf, wenn man etwas in Lebensgröße herstellt. Dann betrachten man seine Arbeit von unten. Dies führt dazu, dass die Skulptur nach oben zu groß wird. Siehe beigefügte Fotos (Inspiration und Ergebnis).

Demnächst: der Anfang mit Technik

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