Einführung: Was ist denn so schwierig?

Dies ist Teil 2 der Serie: „Selbständiges Bildhauern“. Die Serie startet mit „Über Selbständiges Bildhauern
Nächster Beitrag: Formen: von klein bis groß

Bildhauerei ist nicht etwas, das man nach einem Rezept aus einem Buch reproduzieren kann. Bildhauern lernt man durch Tun, durch viel Üben. Und durch genaues Beobachten. Ein Lehrer kann dir Schwieriges vormachen. Durch Vorzeigen kann ein Lehrer dir mehr erklären als mit tausend Worten. Allerdings brauchst du dann auch einen Lehrer, der zu dir passt. Dieser Blog kann hilfreich sein. Aber nichts kann einen geeigneten Lehrer ersetzen, bei dem du einen Kurs belegen kannst.

Bildhauerei in Stein und Holz sind abtragende Techniken. Abtragende Techniken werden normalerweise als (viel) schwieriger erlebt als erwartet.
In einer aufbauenden Technik (z.B. mit Ton) macht man schnell eine Form, z.B. eine Hand. Aus einem rohen Stein eine Hand zu machen, ist viel schwieriger. Dies hat mehrere Ursachen:

  • Das am meisten genannte Problem: du kannst nur entfernen, nicht hinzufügen. „Was weg ist, ist weg“.
    Die Folge ist oft, dass viel zu wenig abgetragen wird. Dadurch bleibt die Form sehr stark auf der Oberfläche.
    Es gibt jedoch Methoden, die eine Menge Korrekturen zulassen, wenn du etwas „falsch“ machst.
  • Es dauert eine ganze Weile, bis du der gewünschte Form in dein Stein erkennen kannst. Nehmen wir als Beispiel die Hand. Du musst viel Stein entfernen, bevor der Stein anfängt, ein bisschen wie eine Hand auszusehen.
  • Wir neigen dazu, Lienien auf den Stein zu ziehen um den Form an zu deuten. Aber: 3-dimensionales Arbeiten erfordert das Denken in (3D-)Formen (Kugeln, Zylinder, Würfel etc.). Die Folge ist, dass wir oft an der Oberfläche bleiben (wir „zeichnen“ am Stein).
Von links nach rechts: Eine Skulptur die von Linien bestimmt wird, Eine Skizze wo die „Volumen“ betont werden, und die Skulptur die daraus entstanden ist.

Beachte, dass ich das Formen als den wichtigsten „Lernpunkt“ sehe. Das Erlernen der Visualisierung in 3D-Formen kann eine echte Wende in deiner Arbeit bedeuten. Die Technik (wie bearbeite ich meinen Stein ohne Probleme) ist viel mehr nur Übung.
Daher werde ich dem Formen in Stein große Aufmerksamkeit schenken.

​ Aller Anfang …

Wenn du anfängst zu Bildhauern in Stein, stehen dir sofort mehrere Herausforderungen bevor:
Wie bekomme ich eine (schöne, besondere, lustige) Form aus meinem Stein?
Das erkläre ich in den Blogs über Formen.
Wie bearbeite ich dieses Stück Stein, mit welchen Werkzeugen und ohne den Stein zu spalten oder das Werkzeug kaputt zu machen?
Dies wird in den Blogs über Technik diskutiert.

Meine Empfehlung lautet daher: Stell dich nicht allen Problemen zugleich: Die Formgebung ist an sich schon schwierig genug, stelle also sicher, dass du am Anfang nicht viel Technik beherrschen musst. Das ist:
Beginne mit einem einfachen Stein, dann brauchst du wenig Technik.
Beginne mit einer einfachen Form, dann bleibt die Formgebung einfacher.

​ Was ist denn ein einfacher Stein?

Dieser Stein hat deutliche Schichten. Über den Schichten bricht der Stein leicht aus.

Das ist ein weicher Stein, der nicht leicht spaltet. Mit homogener Struktur (ohne Schichten oder Risse).
Z.B. Mergel, brasilianischer Speckstein, indischer Speckstein. Siehe meinen Blog über Steinarten und den Blog über Härte und Schwierigkeit von Stein.

Etwas härtere, zähe („zäh“ verwende ich als Gegensatz zu spröde oder splittrig) Sorten, wie weißer Alabaster und weiche Serpentin-Sorten, sind nicht schwieriger. Aber man kommt deutlich langsamer voran.

​ Was ist denn eine einfache Form?

Das heißt: Eine abstrakte Form mit wenigen „Elementen“, einigen großen Bewegungen auf dem ganzen Stein. Siehe Bild anbei.
Siehe auch unseren Blog über den Handschmeichler.
Alles, was man anhand einer Vorlage oder einer Idee im Kopf machen möchte, ist viel schwieriger als gedacht. Das gilt zum Beispiel auch für ein Gesicht. Jeder sieht sofort, was daran falsch ist. (Das bedeutet nicht, dass das Gesicht anatomisch korrekt sein muss. Es muss nur überzeugen).
Abstrakte Formen sind immer gut: Niemand weiß, wie es aussehen soll.

„ein“ Fisch

Auch wenn man zum Beispiel „einen Fisch“ machen will, ist das nicht so schwierig, aber einen Hecht zu machen ist viel schwieriger.

Gleichzeitig kannst du erleben, wie man aus dem Stein eine echte 3-dimensionale Form herausholt. Dabei merkt man ganz schnell, ob man Spaß am Bildhauern hat.
Das Wichtigste ist: habe keine Angst ohne Plan anzufangen und „einfach was zu tun“. Wer sich das zutraut macht oft etwas Überraschendes.
In den folgenden Blogs werde ich immer zwischen Formen, Technik und einigen zusätzlichen Informationen (Werkzeuge, Steinarten usw.) wechseln.

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