Dies ist Teil 4 der Serie: „Selbständiges Bildhauern“. Für einen Übersicht siehe: „Über Selbständiges Bildhauern
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Im Beitrag „Formen von klein bis groß“ haben wir über Formen gesprochen. Das ist das „Was„. In Dieser Beitrag wie man so eine Form herstellt.

Der Tropfenübung: Konkave und Konvexe Formen machen

Wir fangen wieder ganz einfach an. Wie mache ich runde Formen.
Wir nehmen einen homogenen, weichen Stein. Ein Block von etwa 7 bis 8 cm Breite und Dicke und 10 bis 12 cm Länge. Mergel ist ideal für unsere Übungen. Wir nehmen eine halbrunde Raspel. Zuerst machen wir eine Halbkugel an einem Ende des Steins.

Um eine konvexe Form herzustellen, ist es wichtig, sich nicht darum zu kümmern: „wo muss was weg“, sondern um die gewünschte Form. Mache eine runde Bewegung in der Luft, wobei die flache Seite der Raspel zum Stein zeigt. Mache diese Bewegung weiter und bewege den Stein in Richtung der Raspel, bis Material an den Ecken des Steins entfernt wird. Dadurch entsteht automatisch eine konvexe Form. Drehe den Stein auch, damit die Oberseite eine Halbkugel wird.

Wenn eine Seite des Steins komplett rund ist, bearbeiten wir die andere Seite. Wir lassen den Stein tropfenförmig auslaufen. Dafür müssen wir zuerst eine weitere runde Form in Richtung der Spitze machen. Danach die konkave Seite zur Spitze.
Für die hohlen Teile des Tropfens verwenden wir die runde Seite der Raspel. Mache wieder die Bewegung wie die hohle Form werden sollte.
Ich zeige es im Video unten.

Music by Lesfm from Pixabay

Ein Schüssel mit der Raspel

Wenn du eine Schüssel mit einer Raspel herstellen möchtest, Kannst du nicht mit einer halbrunden Raspel arbeiten.
Hierfür gibt es verschiedene spezielle Raspelformen, siehe Bild rechts.

Gehe ähnlich vor: Bearbeite immer die gesamte Form. Mache diese Form zuerst ziemlich flach und dann langsam tiefer.

Wir arbeiten immer mit der ganzen Form, nicht „hier muss was, da muss was weg“. Das machen wir auch, wenn wir mit dem Meißel arbeiten.

​ Mit dem Meißel eine tiefe Hohlform herstellen (Schüssel)

Werkzeuge: Hohlholzmeißel und Holzhammer oder -klüpfel. Stein: homogener weicher Speckstein.

Wir fangen an, von den Seiten der zukünftigen Schüssel eine flache Delle in den Stein zu machen. Maximal ½ cm in der Tiefe Stein entfernen, zu den Rändern hin immer weniger. So haben wir sofort die gewünschte Form, sie muss nur tiefer sein. Mache es tiefer, indem du jeweils eine Schicht entfernst.
Wenn wir die Schüssel immer tiefer machen, halten wir unseren Meißel an den Rändern immer vertikaler. Das ist gefährlich, weil wir den Boden aus unserer Schüssel schlagen könnten. Deshalb arbeiten wir dort seitwärts: Dann wird der Boden weniger belastet.

Schüssel machen mit dem Meißel
Schräg arbeiten

Dr. Oops! Stein muss weg können.

Wir versuchen immer, unseren Stein so wenig wie möglich zu belasten. Angenommen, wir wollen ein tiefes Loch in unseren Stein bohren. Dann ist es nicht sinnvoll, den Meißel wie im linken Bild zu halten. So kommst du nur mit viel Kraft in die Tiefe. Weil man so Stein pulverisieren muss. Und: Die Druckfestigkeit (= wenn der Stein unter dem Druck zu pulverisieren beginnt) ist bei den meisten Steinsorten 5- bis 20-mal größer als die Zugfestigkeit. Wenn du deinen Meißel mit viel Kraft senkrecht einhämmerst, bricht oft der ganze Stein in zwei Hälften. Dein Meißel fungiert dann als Keil.

Achte deshalb darauf, dass die Steinstücke wegspringen können. Wir tun das indem wir schräg arbeiten (rechtes Bild).

Wie mache ich ein steiles, tiefes Loch?

Indem du zuerst ein Loch in der gewünschten Tiefe bohrst. Dann brechen wir die Seiten des Lochs aus. Nicht senkrecht wie links gezeigt: dein Meißel rutscht dann ins Loch. Sondern wie rechts schräg Schicht um Schicht abtragen.

​ Tiefe Rillen

Wenn du mit einer Raspel arbeitest, ist es einfach. Du kannst mit der Seite der Raspel arbeiten. Mit dem Meißel ist es schwieriger.
Rillen immer im Rillenrichtung bearbeiten. Am besten mit rundem Teil (siehe Blog über Werkzeuge).
Es gilt immer: erst Breite, dann Tiefe. Mache eine kleine Kerbe. Mache diese zuerst breiter und vertiefe erst danach. Dadurch wird verhindert, dass dein Meißel Druck auf beide Seiten der Nut ausübt und somit als Keil wirkt.

Mache zuerst eine Kerbe. Arbeite in Richtung der Nut, nicht quer dazu! So kannst du die Richtung der Rille gut bestimmen.
Dann drehen wir den Meißel um, so dass die flache Seite von der Nut weg zeigt. Halte etwas Platz. Stein bricht jetzt in Richtung der Nut aus, aber dafür ist auch Platz. So entsteht Breite. Der Boden der Nut ist jetzt mehr oder weniger flach. Du kannst es jetzt vertiefen, bis du eine V-förmige Rille hast. Mache die Rille dann wieder breiter, bevor du wieder tiefer gehst.
Unten ist das gleiche nochmal in Durchschnitt gezeigt.

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